Abenteuerland Deutschland + Abschlussbericht

Es ist ja nicht so, dass hier in Deutschland alles glatt laufen würde… Da mein Koffer noch irgendwo einen Zwischenstopp eingelegt hatte und nicht in Frankfurt ankam, bin ich am Schalter für vermisste Koffer an einen sehr langsamen Angestellten geraten und auch der Computer hatte afrikanisches Temperament: er hat die Angaben nicht angenommen, keine Referenz- Nummer ausgedruckt und gleich alles wieder gelöscht. Irgendwann, mit handschriftlichen Notizen wurde ich dann entlassen, habe noch einen Zug erwischt, der auch nur 10 Min. ungeplant auf offener Strecke gehalten hatte, so dass ich den Anschlusszug doch noch bekommen habe.

Jetzt bin ich wieder zu Hause in der Kälte und schicke Euch noch den versprochenen Abschlussbericht. Gerne komme ich wieder zu Bilder- Vorträgen, einfach anrufen oder mailen! Besonders freue ich mich, wenn der Blog zur Unterstützung der Arbeit in Isoko anregt. Hier ist die Kontonummer:

Herrnhuter Missionshilfe
Evangelische Bank
IBAN DE25 5206 0410 0000 4151 03   –   BIC (Swift Code) GENODEF1EK1

 

Bericht vom Freiwilligen- Einsatz 17.11.16 bis 12.12.16 in Isoko/Tansania

Mit Unterstützung der HMH konnte ich im November/Dezember 2016 ein weiteres Mal einen Freiwilligen- Einsatz für 3 Wochen im Krankenhaus in Isoko durchführen. Vor einem Jahr war ich schon einmal für 8 Wochen dort gewesen und hoffte, an diese Zeit anknüpfen zu können.

Folgende Arbeiten und Aufgaben konnte ich tun:

  • Mitarbeit auf der geburtshilflichen Station, bei Geburten, mit Schwangeren und Wöchnerinnen. Schulungen der Schwestern, Pfleger und Hebammen in Frauen- orientierter, sicherer Geburtshilfe mit einfachen Mitteln
  • Übergabe (und Schulung im Gebrauch) von Materialien, wie Ampullensägen, einem Schärfgerät für Scheren und gespendetem Nahtmaterial. Übergabe von Geld zum Nähen von neuen OP- Kitteln
  • Durchführung von Seminaren für das Klinikpersonal und die Ärzte zur Säuglings- und Erwachsenen- Reanimation und zu Hochdruck- Erkrankungen in der Schwangerschaft
  • Erkundungen über die Situation und die Zukunft des Krankenhauses: Personalien (Chefarzt, andere Ärzte, Pflegepersonal), Gesundheitspolitische Zukunftsperspektiven
  • Erkundungen über das Heilpflanzengarten- Projekt und dessen Zukunftsperspektiven
  • Erkundungen über die Situation des Waisenprojektes, personell und von der Ausstattung her

 

Zur Situation des Krankenhauses gibt es erfreuliches und problematisches.

Erfreulich ist, dass die gesundheitspolitische Zukunft gesichert zu sein scheint. Vor der Präsidenten- Wahl im letzten Jahr war unklar, ob Isoko der Status des Distrikt- Krankenhauses erhalten bleibt. Das ist inzwischen zugesagt und sichert die Bezahlung der Gehälter durch die staatliche Gesundheitsbehörde.

Völlig in der Luft hängt hingegen zur Zeit der Chefarzt- Posten. Dr. Shibanda, der jetzige Chefarzt, ist seit 1. Dezember offiziell in Rente, es gibt keinen Nachfolger. Er hat vor einigen Wochen, mit Unterstützung der Kirchenleitung der Brüdergemeine in Rungwe, eine Verlängerung seiner Dienstzeit beantragt. Dieser Brief ist im Amt verloren gegangen und der Antrag musste in diesen Tagen neu eingereicht werden. Es ist Dr. Shibanda äußerst hoch anzurechnen, dass er treu seinen Dienst weiter versieht, obwohl es völlig unklar ist, ob er vom Staat oder/und der Kirche oder Missionsorganisationen irgendein Gehalt bekommt. Sicher ist schon, dass er vom Staat im Monat Dezember nichts bekommen wird, da die Bezahlung immer erst ab der Genehmigung des Antrages stattfindet.

Auch die anderen Ärzte arbeiten ohne Sicherheiten. Dr. Kita wird im April endgültig in Rente gehen. Dr. Kapungu ist hoch motiviert, er möchte weiter in Isoko bleiben, ist aber vom Staat angestellt und könnte in ein anderes Krankenhaus abberufen werden. Dr. Kapungu könnte der Nachfolger als Chefarzt werden, wie von Dr. Shibanda gewünscht, dazu braucht es allerdings die Sicherheit, dass er in Isoko bleiben kann. Das müsste durch die Kirchenleitung bei der Gesundheitsbehörde beantragt werden.

Es gibt nach wie vor zu wenig gut qualifiziertes Pflegepersonal. Die wenigen voll ausgebildeten Schwestern/Pfleger sind durch viele Nachtwachen ausgelaugt. Durch die abgelegene Lage Isokos in den Bergen und die schlechte Erreichbarkeit von größeren Städten, ist die Motivation bei jungen Menschen nicht sehr hoch.

Heilpflanzenprojekt: mit Unterstützung von Mission 21 konnten die zwei Gärtner, die bisher treu und unentgeltlich den Garten weiter gepflegt haben, an einem Anamed- Seminar teilnehmen und sich für die Herstellung von Pflanzen- Heilmitteln qualifizieren. Auch ein zuständiger Arzt, der jetzt berentete Dr. Cheyo der in Isoko lebt, konnte gewonnen werden. Somit hat dieses Projekt gute Chancen auf Wiederbelebung und Ausweitung. Es ist auch angedacht, sich einem Verbund von „Artemisia- Gärten“ in Tansania anzuschließen.

Waisenprojekt: mit diesem Projekt hatte ich am wenigsten zu tun, da die Leiterin, Enea Kajange, die meiste Zeit meines Aufenthaltes zu Schulungen und Evaluationen in Rungwe und Mbeya war. Die Räumlichkeiten des Nähprojektes konnte ich besichtigen, welches den Waisen gute Chancen auf ein selbstbestimmtes Leben bietet. In diesem Projekt arbeiten Waisen für Waisen und nähen zB. die Schuluniformen unter der Supervision von Enea. Dadurch spart das Projekt Kosten, die Schneider/innen bekommen Berufspraxis und verdienen sich ihre eigenen Nähmaschine, mit der sie sich dann in ihren Heimatdörfern selbständig machen können.

Es ist erfreulicherweise zu vermuten, dass Enea in mit ihrem frisch angetrauten Ehemann in der Gegend bleibt, da dieser auf dem Gelände seines Hauses in Mbeya dabei ist, ein Haus und Werkstätten für Waisenkinder zu bauen.

 

Ich bin sehr dankbar, dass ich diese Zeit in Isoko hatte. Zum einen konnte ich sehen, dass die Seminare und Anregungen, die ich letztes Jahr gegeben hatte, auf fruchtbaren Boden gefallen sind. Das hat mich sehr gefreut und in meiner Arbeitsweise bestätigt. Außerdem konnte ich viele Bekannte begrüßen und in einigen Punkten an das letzte Jahr anknüpfen. Zum anderen konnte ich durch das Miterleben der Alltagsarbeit, weiter Einblick in die Strukturen und Probleme bekommen. Dadurch hoffe ich, HMH und Mission 21 in ihrer Arbeit unterstützen zu können.

„Wenn Gott wünscht“, wie hier immer so treffend gesagt wird, kann ich im nächsten Jahr mit meinem Mann, der Internationale Agrarwirtschaft studiert hat, für einige Monate in Isoko und Tansania sein. Diese Aussicht hat mir den Abschied erleichtert.

 

P.S. Der Koffer kam zwei Tage später, voll mitAnhängern,  Aufklebern und Barcodes, heil zu Hause an 🙂

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Glücklich angekommen!

 

Leider schon zu Ende

Leider ist mein Aufenthalt in Isoko schon wieder zu Ende, da ich, aus familiären Gründen, schon eine Woche früher zurück nach Deutschland zurück muss.

Für Anfang Dezember hatten sich allerdings noch alle Babys zur Geburt verabredet und es gab nur kurze Zeiten, in denen der Kreißsaal nicht belegt war – oft mit 3 Gebärenden gleichzeitig. Zwischen den Frauen nur ein Stoff- Vorhang, der mehr durchlässt, als verbirgt. Aber es gibt dann auch schon mal aufmunternde Worte von gewordener Mutter zu werdender Mutter, quer durch den Vorhang. Nach der Geburt werden die Frisch- Mamas deshalb auch relativ schnell in das Wochenbettzimmer verlegt. Viel Rücksicht auf geleistete Arbeit und Erschöpfung wir nicht genommen, sie müssen die Schüssel mit der Schmutzwäsche selbst tragen. Die meisten tragen sie allerdings nicht so elegant auf dem Kopf, wie diese Mutter, etwa 30 Minuten nach der Geburt.

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Die Hebamme trägt das Kind und wird von den anderen Patienten, den Hausmeistern und allen, die ihr begegnen, beglückwünscht und gesegnet (die Mama dann aber natürlich auch!).

Alle Geburten endeten glücklicherweise mit lebenden Müttern und lebenden Kindern – obwohl manche der Babys intensiv wiederbelebt werden mussten, was bei mir immer mit viel Herzklopfen verbunden ist. Leider mussten relativ viele Frauen einen Kaiserschnitt bekommen, aber zumindest dieser hier, war recht entspannt, wenn man sich die Anästhesie- Schwester so anschaut.

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Immerhin tun die schönen neuen Überwachungsgeräte gute Dienste 😉

Ein paar Sorgenkinder unter den Schwangeren und Wöchnerinnen gibt es auch  immer noch, zum Beispiel die Epileptikerin, die immer noch nicht Anfalls- frei ist (und außerdem vollgepumpt wird mit Opiaten) und die Zwillingsmutter, die unerklärbare Fieberschübe hat. Ich hoffe und bete, dass sie es gut schaffen.

Ein letztes Seminar gab es am Donnerstag über schwangerschaftsbedingte Bluthochdruck- Erkrankungen inclusive einer seit etwa 30 Jahren bekannten Variante (HELLP-Syndrom), von der hier noch nie jemand etwas gehört hatte. Nun hat Isoko einen Wissensvorsprung in Tansania…  Auch die Beratung zur Behandlung von schwangerschaftsbedingten Wassereinlagerungen ist völlig veraltet, so dass es gut war, dieses Thema besprechen zu können.

Alle freuen sich über mein gestammeltes Suahili, in dem ich wichtige Sätze der Seminare aufgeschrieben habe und das ich fleißig anzuwenden versuche. Ich habe viele Lehrerinnen unter den Schwestern und Patientinnen und alle sind sehr geduldig. Immerhin verwechsle ich nicht mehr „stillen“ (nyonya) mit „regnen“ (kunyesha)!

Mit Enea Kajange vom Waisenprojekt konnte ich jetzt auch ausführlicher sprechen. Das Hauptziel des Projektes ist ja, den Kindern durch Bildung eine gute und eigenständige Zukunft zu ermöglichen. Dieser junge Mann hat die Schneiderlehre hinter sich und näht jetzt für das Projekt Schuluniformen, bis er sich eine eigene Nähmaschine erarbeitet hat. In dieser Zeit hat er auch noch die Supervision durch Enea, die sehr genau hinschaut, ob ordentlich gearbeitet wurde. Leider sind die Räumlichkeiten der „Schneiderwerkstatt“ dunkle und vollgemüllte Kellerräume. Ich hoffe, dass sich auf Dauer bessere Räume finden, zumal es genug Arbeit für noch mehr Nähmaschinen und SchneiderInnen gäbe.

Auch aus dem Heilpflanzengarten gibt es erfreuliches zu berichten: zwei der Gärtner haben das Anamed- Seminar mitgemacht und sind sehr motiviert, das Projekt neu zu beleben. Auch ein pensionierter Arzt als Zuständiger wurde gefunden, er muss sich allerdings erst noch ein bisschen in die Materie einarbeiten. Er soll den medizinischen Hintergrund liefern und ich hoffe, dass man mit ihm Seminare für die Klinikärzte machen kann, so dass auch die Krankenhauspatienten von den Heilpflanzen- Anwendungen profitieren können. In Mbeya haben wir heute ein paar Dinge von der Wunschliste der Gärtner eingekauft (unter tatkräftiger Mithilfe von Eneas Mann), wie zum Beispiel Aufbewahrungsboxen, Netze zum Trocknen der Pflanzen (zB. diesen, die bei Zahnschmerzen helfen) und einen neuen Spaten.

Die Kinder in Tansania haben gerade Schulferien und genießen ihre Freiheit – neben den häuslichen Pflichten, die alle zu tun haben. Fußball spielt eine große Rolle, auch wenn es nur zusammengeknotete Plastiktüten sind, es wird mit ganzem Einsatz gespielt.

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Die zukünftigen Weltmeister (die Hauswand musste wohl schon oft als Tor herhalten…)

Ihnen eine gute Zukunft zu ermöglichen, beginnend mit einer sicheren Schwangerschaft und Geburt, macht Freude und lohnt sich jeden Tag.

Ein Abschlussbericht folgt noch!

Vorbilder

Neulich Abend klopft es an der Tür – es ist immer etwas unheimlich, wenn man aus der Finsternis heraus plötzlich angesprochen wird und, wegen der perfekten Tarnfarbe, erst einmal fast einen Herzinfarkt bekommt vor Schreck – ein Mann steht davor und schenkt mir eine Handvoll Passionsfrüchte, einfach so. Gestern bekam ich von einer der Hebammen zwei Mangos. Wohl gemerkt: sie hat keinen Mangobaum, sondern hat die Früchte auf dem Markt gekauft. Von einer anderen Kollegin bekam ich eine Tüte mit Erdnüssen und heute früh ein Sonntagsbrot, von Neema, „meiner Köchin“, extra den Berg hinauf gebracht, (fast) rechtzeitig zum Frühstück.

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geschenkte Schätze

Die Geschenke mit Hintergedanken auf Gegenleistung gibt es auch, aber die weitaus meisten Gesten sind einfach nur freundlich, zugewandt und nett. Das ist ein Vorbild für mich.

Ein weiteres ist fachlich: ich bin immer wieder verblüfft und begeistert über die gute Diagnostik mit allereinfachsten Mittel, in der Regel nur die eigenen Hände und die Krankenbeobachtung. Beispiel: eine Schwangere wurde aus einer weit entfernten kleinen Krankenstation zur erwarteten Geburt ins Krankenhaus geschickt, mit den Diagnosen: Zwillinge, viel Fruchtwasser, beide Kinder in Steißlage (mit dem Po nach unten liegend) – nur mit den Händen ertastet, ohne Ultraschalltechnik. Alles hat sich während der Geburt als richtig erwiesen. Es war sehr gut, dass die werdende Mutter vor Ort war, da sich während der Wehen herausstellte, dass der „große“ Zwilling seine kleine Schwester so festgeklemmt hatte, dass beide nicht geboren werden konnten und ein Kaiserschnitt gemacht werden musste. Die gute Diagnostik der Schwangerenambulanz der dörflichen Gesundheitsstation hat den Kindern und vielleicht auch der Mutter das Leben gerettet. (Von diesen Fähigkeiten können deutsche Gynäkologen, die heutzutage bei ihren Untersuchungen die Frauen fast nur noch mit Geräten berühren, leider nur noch träumen…)

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die glückliche Mama und die „Bibi“, die Großmutter, die zum Kochen mitgekommen ist

 

 

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Dr. Shibanda (hinter dem Tisch) bei einer OP

Ebenfalls ein Vorbild ist Dr. Shibanda, der Chefarzt des Krankenhauses. Seit dem 1. Dezember ist er eigentlich in Rente, ein Nachfolger nicht in Sicht. Ein Antrag an die Regierung auf Weiterbeschäftigung läuft, aber ob in diesem Monat Lohn auf seinem Konto hat? Er weiß es nicht. Aber er steht pünktlich morgens da und versorgt die Patienten.

Auch die Patienten, die mit einer Engelsgeduld auf die Behandlung warten oder Schmerzen ertragen sind mir Vorbild in meiner oft unnötigen Ungeduld. Ebenso die Angehörigen, die klaglos wochenlang fern von zu Hause kochen und ihren Verwandten beistehen.

Bewundernswerte Vorbilder sind auch die Frauen und Männer der Selbsthilfegruppe von HIV-Positiven Menschen. Sehr offen und selbstverständlich treten sie auf (hier als Chor in jedem Gottesdienst). Vorbildhaft ist aber ebenso der Umgang der Gemeinde und der Menschen im Dorf Isoko: von Ablehnung und Berührungsängsten ist nichts zu spüren. Das würde ich mir für uns auch wünschen!

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der „Tumaini“- Chor im Gottesdienst, leider verwackelt wegen zu schwungvoller Bewegungen…

Arbeit und Freizeit

Meine Hauptarbeit  hier ist natürlich die Mitarbeit in der Schwangeren- und Geburtenabteilung. Es gibt wieder viele Schwangere, die von weiter her kommen und im Krankenhaus auf die Geburt warten, weil es von ihren Dörfern aus keinen Transportmöglichkeiten gibt – und schon gar nicht im Notfall und nachts. Das Zimmer ist gerade überbelegt, jeweils 3 Schwangere teilen sich 2 Betten und auch auf dem Fußboden liegen Matratzen.

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Aber so schlimm scheint das nicht zu sein, meistens haben sie gute Laune, man hört sie miteinander reden und begegnet immer Grüppchen auf dem Weg zur Angehörigen- Küche oder beim Einkaufen im Ort. Alle haben ein Telefon und es wird, wie in Deutschland auch, permanent mit jemandem telefoniert oder SMS geschrieben.

Jeden Tag kommen Babys auf die Welt und ich versuche, bei möglichst vielen Geburten dabei zu sein, um mit den mehr oder weniger gut ausgebildeten Kolleginnen Neuerungen und Methoden einzuüben und Seminarinhalte in der Praxis anzuwenden. Dieses kleine Frühgeborene mit dem hübschen Hut, war einen Tag vor meiner Ankunft mit 1600 Gramm geboren worden. Wir haben die Känguru- Pflege praktiziert und das hat ihm sehr gut getan. Es konnte bald selbständig trinken und die Mama durfte nach Hause. Sie kommt 2x in der Woche zum Wiegen, da sie in der Nähe wohnt.

Immer wieder bekommen wir Verlegungen aus dem Regierungskrankenhaus in Itumba, das ca. 1 Stunde Fahrzeit entfernt liegt. Der Grund? „Alle Ärzte sind auf einem Seminar“, deshalb können keine Kaiserschnitte gemacht werden und Komplikationen werden verlegt… Diese Schwangere wurde wegen schlechter kindlicher Herztöne verlegt (man sieht Dr. Kapungo mit der tollen Uhr aus der Schweiz, die seit letztem Jahr hier ist und die alle sehr lieben). Bei uns war der Herzschlag zwar gut, aber sie hat jede Menge andere Probleme, wie zB. Typhus, Ödeme und schlechte Urinbefunde.

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CTG auf afrikanisch

Es gibt immer wieder Schwangere mit schwerwiegenden Problemen und Krankheiten. Die Ärzte tun ihr Bestes, aber manche wäre in einem Spezialkrankenhaus besser aufgehoben (zum Beispiel eine junge Frau mit schwerer Epilepsie) – nur ist das sehr teuer für die Familie.

Ich hatte auch wieder Seminare angeboten und Dr. Shibanda hat sie gleich 2x pro Woche „bestellt“, weil ich ja nur so kurz da bin. Angefangen habe ich nochmal ausführlich mit der Versorgung von Neugeborenen und der Säuglings- Reanimation. Das Vorgehen hat sich, nach Expertenstandards, geändert und auch das Üben an der Puppe ist unbedingt wichtig. Auch kleine Filme einer amerikanischen Organisation sind sehr hilfreich. Heute haben wir Erwachsene „reanimiert“ – auch da haben sich die Experten- Standards geändert (wobei auch die ehemaligen Standards hier nicht besonders bekannt sind…)

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Zweimal war ich in meiner Freizeit mit Hermann, dem Labortechniker mit dem schönen Namen, unterwegs. Am Samstag sind wir, wie schon im letzten Jahr, den steilen Weg zum Markt nach Katengele hoch gelaufen. Oben hatte es ein heftiges Feuer gegeben und viel von dem bisschen Wald ist abgebrannt.

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Die Dürre scheint dieses Jahr besonders lang zu sein, der Regen verspätete sich schon einen Monat.

An einem Nachmittag hat mir Hermann sein Haus gezeigt und seine Familie vorgestellt und ich konnte die „Rückseite“ von Isoko kennenlernen – ein wunderschönes, idyllisches Tal mit vielen Obstbäumen, Bananen, Feldern und kleinen Höfen. Man läuft durch ein Wäldchen, das riecht, wie der Schwarzwald an einem heißen Sommertag – ich liebe es jetzt schon!

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Hier oben in der Höhe pflanzen Viele eine Fichtenart an, um dann später das Holz in Bretter zu sägen und zu verkaufen. Das bringt wohl richtig Geld. Hermann hat seine eigene kleine Baumschule errichtet und pflegt hingebungsvoll seine Sämlinge.

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Im Wäldchen haben wir zwei lustige Tiere gesehen: Meerschweinchengröße, aber mit Elefantenrüssel. Ich muss noch rausfinden, was das war (leider zu schnell zum Fotografieren). Leider kann ich überhaupt keine tollen Fotos machen, aber dieses hier zeigt vielleicht etwas von dem atemberaubenden Blick in die Berge.

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Oh – und geade eben sieht es so aus (da haben sich wohl zu viele Menschen Regen gewünscht…)

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Verbesserungen

Von vielen LeserInnen des letztjährigen Blogs und von Isoko- Kennern kam die Frage, ob es denn Verbesserungen geben würde – und nach einer Woche Mitarbeit, kann ich einiges Erfreuliches berichten:
– Das Röntgengerät läuft und tut gute Dienste, ich konnte mich bei der Aufnahme eines gebrochenen Handgelenkes davon überzeugen.
– In der Kinderambulanz gibt es eine neue Messlatte für die Längenmessungen der Kinder und Manschetten, um den Oberarm- Umfang zu messen. Das gibt ein genaueres und besseres Bild von dem Ernährungszustand der kleinen Kinder, als nur das Gewicht.

– Im Labor gibt es einige neue Geräte, mit denen man schnellere und genauere Untersuchungen machen kann. Die Labormitarbeiter sind sehr dankbar dafür und die Geräte laufen jeden Tag.

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– Die Hebammen haben weiter die hockenden oder knienden Gebärhaltungen praktiziert und lesen offensichtlich immer wieder das Plakat dazu, das über den Geburtsbetten hängt. Eine der Hebammen, die Anfang dieses Jahres ihr Baby bekommen hat, sagte ganz stolz, dass sie auch in dieser Haltung geboren habe! Das ist für mich eine der erfreulichsten Verbesserungen (und Bestätigung für die Seminare vom letzten Jahr) und für viele Frauen eine Erleichterung beim Gebären!
– Sehr begeistert hat mich auch, zu sehen, dass es ein Qualitätsmanagementsystem gibt, das Tansania- weit die Qualität (und die Statistiken der Krankheits- und Todesfälle) in den Kliniken verbessern soll. Ich konnte miterleben, wie ein Arzt und eine Krankenschwester aus Itumba da waren und mit den Stationsleitungen Geburten- und Statistikbücher und Stationen durchgegangen sind und die Finger in einige offene Probleme gelegt haben. Diese gegenseitige „Supervision“ ist ein sehr gutes Instrument zur Qualitätsverbesserung.

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Supervisions- Sitzung

– Von dem Waisenprojekt kann ich noch nichts aus eigener Anschauung berichten, weil ich Enea nur in Mbeya getroffen habe. Diese Woche hat sie noch Besprechungen in Rungwe. Aber sie hat mir Bilder geschickt und erzählt, dass sie (von einem Berliner Gemeindemitglied gespendetem Geld) 2 Nähmaschinen gekauft hat. Waisenkinder nähen darauf Schuluniformen für das Waisenprojekt. Dafür bekommen sie Geld und können sich dann ihre eigene Nähmaschine kaufen. Wunderbares System!

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Da wundersamer Weise 2 Rollen OP- Kittelstoff im Vorrat des Krankenhauses aufgetaucht sind, sollen die Waisenkinder sich auch an OP- Kitteln versuchen – es soll mit je einem Kittel einen Vergleich geben, zwischen dem Krankenhaus- Schneider und den Waisenkindern. Mal sehen, wer gewinnt…
– Die Schränke sind mit schönen Schildern beschriftet und ich habe den Eindruck, dass die Ordnung und das Auffinden von Materialien und Medikamenten dadurch besser klappt

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Der Schrank im Kreiß- Saal

– Die Internetverbindung ist um einiges besser – oder meine jetzige SIM- Karte 😉
– Nicht zu verbessern sind die Herzlichkeit und Freundlichkeit mit vielen „Karibu!“ und Umarmungen, mit denen ich wieder willkommen geheißen wurde. Die Menschen im Isoko- Krankenhaus haben große Herzen und Engagement, auch für ihre Patienten!

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Einladung zum Essen im Haus meiner Kollegin

Heute mag ich mal nur Schönes schreiben. Wie die Zukunft des Krankenhauses aussieht, muss ich von Dr. Shibanda mal noch in einer ruhigen Stunde erforschen – bisher kam es noch nicht dazu. Ein neuer Chefarzt scheint jedenfalls noch nicht in Sicht zu sein und die bisherigen Ärzte tun treu ihren Dienst weiter!

Endlich angekommen

Nach einer langen Nacht und einem wunderschönen Sonnenaufgang über Äthiopien

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bin ich gut in Dar-es-Salaam gelandet und, nach einer erfreulich ruhigen Übernachtung ganz in der Nähe vom Flughafen, am Samstag gleich morgens nach Mbeya weiter geflogen. Das Begrüßungskomitee  bestand, unter anderen, aus Enea und Dr. Shibanda. Ich wurde sehr herzlich begrüßt und es war sofort wieder eine Vertrautheit da, die sehr wohl tut.

Es wurden noch einige Einkäufe getätigt, zB. Medikamente und Stoffe für Schuluniformen. Wir versuchten auch Stoffe für neue OP- Kittel zu bekommen, aber diesen speziellen, festen, reinen  Baumwollstoff gab es leider nicht. Er wird bestellt (wahrscheinlich in Dar-es Salaam) und kann dann irgendwann abgeholt werden.

Dann ging die Fahrt weiter nach Ibungu. Dort habe ich das in der Gemeinde Rhein-Main gesammelte Geld dem Partnerschaftsausschuss übergeben können – das war, in Tansanische Schilling getauscht, ein ganz schön dicker Briefumschlag, der begeistert entgegen genommen wurde. Das Geld soll für die Reparatur der Dächer von Pfarrhaus und Kirche verwendet werden. Das Kirchendach ist immerhin von 1940 – da bleiben Löcher nicht aus.

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Das Pfarrhaus

Gegen Abend kamen wir in Isoko an und ich darf in dem Gästehaus schlafen, in dem Luise und ich im letzten Jahr die ersten Wochen waren. Die leider sehr großen Löcher im Moskitonetz konnte ich mit Klebeband flicken und das „Duschen“ ohne Dusche wurde auf Sonntag verschoben – bei der Müdigkeit musste das Füße waschen vor dem ins- Bett- gehen reichen…

Zum Sonntagsfrühstück bin ich mit dem feinen, von Eneas Waisenmädchen selbst gebackenen Brot verwöhnt worden und, nach dem „Duschen“ in einer Waschschüssel, mit Dr. Shibanda in den Gottesdienst gegangen. Es war Tauf- und Konfirmationsgottesdienst mit jeder Menge schwungvoller Lieder und einer Predigt, in der Ziegen, Hexerei und die Ermahnung an die jungen Mädchen vorkam, nicht zu enge Hosen anzuziehen. Das waren zumindest die Teile, die mir Dr. Shibanda übersetzt hat… Ich habe im Grußwort, der Einfachheit halber, von der ganzen Brüdergemeine in Deutschland gegrüßt und darauf hingewiesen, dass wir hier wie dort unter dem Herrnhuter Stern stehen – es hängt ein schöner Stern im Saal der Kirche von Isoko.

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Konfirmation unter dem Stern

Beeindruckt hat mich einmal wieder das freie, laute Gebet an einer Stelle in der Liturgie. Wir kennen ja in manchen Gemeinden das stille Gebet im Rahmen der Fürbitte. Vielleicht würde es uns auch mal gut tun, laut und ungezwungen zu Gott zu rufen und zu beten, jede/r einzeln aber doch in Gemeinschaft? Die Brüdergemeine in Tansania hat keine schrumpfenden Gemeinden. Vielleicht können wir uns ein bisschen Schwung und Begeisterung abgucken.

Morgen geht dann die Arbeit los!